• Deutsche Telekom und Siemens schneiden im neuen Ranking zum Geschäftsreiseverkehr von Unternehmen schlecht ab

    Der Pharmakonzern Bayer ist Deutschlands führendes Unternehmen bei der Reduzierung von Geschäftsflügen. Das geht aus einem neuen Ranking von Transport & Environment (T&E) hervor, das die durch Geschäftsflüge verursachten Emissionen und die jeweiligen Emittenten erfasst.

    Eine neue Studie von T&E zum Geschäftsflugverkehr und ein darauf aufbauendes Unternehmens-Ranking zeigen, dass sich die untersuchten Unternehmen zwar bemühen, ihre Emissionen zu reduzieren, die Anstrengungen aber bei Weitem nicht ausreichen. Kein deutsches Unternehmen erreicht im Ranking ein vorbildliches Ergebnis. Nur Bayer erzielt mit seinen Maßnahmen zur Verringerung der Emissionen durch Geschäftsreisen ein gutes Ergebnis. Der deutsche Pharmariese hat sich verpflichtet, seine Geschäftsreisen bis 2029 um 12 Prozent zu reduzieren, und hat seine durch Flugreisen verursachten Emissionen offengelegt (294.000 MtCO2 im Jahr 2019).

    In dem Ranking, das T&E im Rahmen seiner neuen Travel-Smart-Kampagne erstellt hat, werden 230 US-amerikanische und europäische Unternehmen anhand von neun Indikatoren bewertet. Dazu zählen unter anderem Emissionsreduktionsziele, Berichterstattung und durch Geschäftsflüge verursachte Emissionen. Im Ranking sind auch 19 deutsche Unternehmen einbegriffen, von denen einige noch einen weiten Weg vor sich haben, wenn sie ihre durch Geschäftsreisen verursachten Emissionen spürbar reduzieren wollen. Nur ein Unternehmen erhält die Note B, die 18 verbleibenden Unternehmen erfüllen die Kriterien nicht in ausreichendem Maße und hinken bei den Zielen oder der Berichterstattung über Geschäftsflüge hinterher.

    Unternehmen wie die Daimler, Siemens und die Deutsche Telekom haben sich zwar ambitionierte Ziele zur Emissionsreduzierung gesetzt, allerdings ohne die Verpflichtung, auch die durch Geschäftsflüge verursachten Emissionen zu senken, die im Jahr 2019 insgesamt 30 Prozent der Gesamtemissionen des Luftverkehrs ausmachten. Siemens ist mit 309.838 MtCO2 im Jahr 2019 für Geschäftsreisen der größte Emittent unter den drei Unternehmen. Vier deutsche Unternehmen – Volkswagen AG, Bosch, TRUMPF GmbH & Co. KG, und Simon-Kucher – schneiden am schlechtesten ab, da sie gar nicht erst versuchen, die Emissionen durch ihre Geschäftsflüge zu reduzieren, und auch keine Informationen darüber offenlegen.

    Denise Auclair, Leiterin der Kampagne zur Reduzierung von Geschäftsreisen bei T&E, sagte: „Die Pandemie hat bewiesen, dass Unternehmen genauso effektiv und sogar noch effizienter sein können, wenn sie weniger fliegen und dabei gleichzeitig ihre Emissionen reduzieren. Während einige Unternehmen in Europa mit gutem Beispiel vorangehen und zeigen, dass es möglich ist, die durch Dienstreisen verursachten Emissionen zu reduzieren, hinken andere wie Siemens und Daimler hinterher. Es zahlt sich für Unternehmen aus, ihre Geschäftsreisen zu verringern. Das kommt gleichzeitig auch den Mitarbeitern entgegen. Führende Politiker und Bevölkerungen fordern, die Abhängigkeit vom Erdöl zu verringern – smarteres Reisen ist eine einfache Möglichkeit, dies zu erreichen.“

    Unternehmen mit einer A-Bewertung haben sich zu einer absoluten Reduzierung des Flugverkehrs verpflichtet, einige von ihnen streben bis 2025 eine Reduzierung um 50 % oder mehr an. Außerdem legen sie seit mehr als einem Jahr Zahlen zu ihren durch Geschäfts- oder Flugreisen verursachten Emissionen offen. Sie erfüllen den im Ranking vorgesehenen höchsten Standard in Bezug auf Dienstreisen und können als Vorbild für andere Unternehmen dienen. Nur acht Unternehmen (3 Prozent), jedoch keines aus Deutschland, erreichen im neuen Ranking von T&E eine solche Bewertung.

    Das Travel-Smart-Ranking zeigt, dass viele Unternehmen den Umfang ihrer Dienstreisen noch nicht entschlossen genug reduzieren wollen. Von den 230 Unternehmen handeln 193 nicht schnell und ambitioniert genug, um die Emissionen durch Geschäftsreisen zu reduzieren. Unternehmen wie Google, Facebook und Microsoft liegen in der untersten Kategorie des Rankings und müssen das Tempo auf dem Weg zum intelligenten Reisenden anziehen, so T&E.

    Gemeinsam mit 13 Partnern hat Transport & Environment die Travel-Smart-Kampagne ins Leben gerufen. Die Kampagne und das neue Unternehmensranking kommen für die Flugbranche zu einem entscheidenden Zeitpunkt, denn der Geschäftsreiseverkehr zieht nach der Pandemie gerade wieder an. Im Jahr 2019 machten Dienstreisen etwa 15 bis 20 Prozent des Flugverkehrs aus[1], was etwa 154 Millionen MtCO2 entspricht. Die Flugbranche wurde jedoch durch die Corona-Pandemie erschüttert – die Ausgaben für Geschäftsreisen gingen bis 2020 um 52 Prozent zurück, von 1,4 Billionen USD im Jahr 2019 auf 694 Milliarden USD im Jahr 2020[2].

    Unternehmen haben nun die einmalige Gelegenheit, durch die Einführung neuer Praktiken eine Vorreiterrolle zu übernehmen, Ziele für die Verringerung der Emissionen von Flugreisen festzulegen und die während der Pandemie angenommen emissionsarmen Gewohnheiten in eine dauerhafte Praxis zu überführen. Die von T&E entworfene Strategie für einen klimaneutralen Luftverkehr hat gezeigt, dass eine Verringerung der geschäftlichen Flugreisen der effektivste Weg ist, die Emissionen des Luftverkehrs kurzfristig zu reduzieren – und zwar zu dem Zeitpunkt, an dem es für das Klima am wichtigsten ist. Wenn wir den Geschäftsreiseverkehr um 50 Prozent reduzieren, würden wir die Emissionen in Europa bis 2030 um 32,6 MtCO2 senken, was dem Wegfall von 16 Millionen umweltschädlichen Autos mit Verbrennungsmotor entspricht[3].

    Mittels der neuen Travel-Smart-Kampagne von T&E sind Unternehmen aufgerufen:

    • sich öffentlich zu verpflichten, ihre Geschäftsflüge bis spätestens 2025 im Vergleich zu 2019 um mindestens 50 Prozent zu reduzieren;
    • weniger zu fliegen und andere Verbindungsarten und Verkehrsmittel zu benutzen;
    • über die Fortschritte bei der Verringerung der Emissionen zu berichten.

    Denise Auclair fügte hinzu: „Smartes Reisen heißt, dass jedes einzelne Treffen zählt. Obwohl sich nicht alle Geschäftsreisen mit dem Flugzeug vermeiden lassen, sind virtuelle Meetings in vielen Fällen ein effektiver Ersatz. Wir machen das schließlich schon seit zwei Jahren, warum also jetzt aufhören? Viele europäische Unternehmen haben bereits angekündigt, dass sie ihre Flugreisen um 50 Prozent reduzieren wollen. Es liegt jetzt an den deutschen Unternehmen, ebenfalls einen Schritt nach vorne zu machen, weniger zu fliegen und mehr Emissionen einzusparen.“

    [1] McKinsey & Company, The Travel Industry Turned Upside Down Report, September 2020, https://www.mckinsey.com

    [2]  Global Business Travel Association (GBTA), Business Travel: Full Recovery Expected by 2025, February 1, 2021. https://www.gbta.org/blog/business-travel-full-recovery-expected-by-2025/

    [3] Transport & Environment, Roadmap to climate neutral aviation in Europe, 2022, https://www.transportenvironment.org/wp-content/uploads/2022/03/TE-aviation-decarbonisation-roadmap-FINAL.pdf