Nur 10 Prozent der Flüge im europäischen Luftraum verursachen nach T&E-Berechnungen ein Viertel der Erwärmung, die in Europa durch Kondensstreifen entsteht
Eine neue Studie von T&E zeigt, dass die Erderwärmung durch Kondensstreifen stark von der Saison und Tageszeit abhängt. Laut Auswertung treten 75 Prozent der Erwärmung durch Kondensstreifen in Europa zwischen Januar und März sowie Oktober und Dezember auf; 40 Prozent davon in den späten Abendstunden und in der Nacht. [1] Insgesamt entfiel ein Viertel der europäischen Kondensstreifen-Erwärmung auf Herbst- und Winternächte. Diese Flüge machen nur ein Zehntel des europäischen Flugverkehrs aus. Ihre Routen könnten zur Vermeidung von Kondensstreifen leicht angepasst werden, ohne den Flugverkehr stark zu beeinträchtigen, doch mit erheblichen Vorteilen für das Klima.
Kondensstreifen entstehen, wenn Flugzeuge durch sehr kalte, feuchte Luft fliegen. Diese Emissionen verbleiben zum Teil in der Atmosphäre und bilden Wolken, die wie eine riesige Decke wirken und die Wärme der Erdoberfläche einschließen. Kondensstreifen erwärmen den Planeten mindestens genauso stark wie die CO₂-Emissionen der Luftfahrt und tragen zwischen 1 und 2 Prozent zur globalen Erwärmung bei. 2019 haben nur 3 Prozent der Flüge 80 Prozent der Erwärmung durch Kondensstreifen verursacht.
Kondensstreifen und ihre Klimaauswirkungen könnten verringert werden, indem nur wenige betroffene Flüge zu bestimmten Tages- und Jahreszeiten umgeleitet werden würden. Kleine Routenanpassungen, geringfügig höhere oder niedrigere Flüge, würden die kalte und feuchte Atmosphäre vermeiden und die Bildung von Kondensstreifen erheblich reduzieren.
Marte van der Graaf, Referentin für Luftfahrt bei T&E Deutschland, sagt: „Die Flugzahlen steigen wieder, während der Sektor seine Dekarbonisierung komplett verschleppt und nachhaltige Flugkraftstoffe kaum auf dem Markt verfügbar sind. Die Wissenschaft zeigt klar: Kondensstreifen schaden dem Klima. Sie zu vermeiden wäre eine wirksame Klimamaßnahme, die schnell und einfach umgesetzt werden könnte. Doch dafür braucht Europa politische Vorgaben und mehr Forschungsgelder zur praktischen Umsetzung. So könnte Europa im kommenden Jahrzehnt Vorreiter bei der Kondesstreifenvermeidung werden.”
Kondensstreifen treten nicht nur zu bestimmten Jahreszeiten, sondern auch an bestimmten Orten auf. Die T&E-Analyse bestätigt frühere Studienergebnisse, nach denen der Nordatlantik hohes Potenzial zur Vermeidung von Kondensstreifen hat. Im dortigen Luftraum ist die Verkehrsdichte niedrig, aber es finden besonders viele Langstreckenflüge statt, deren Kondensstreifen zur Erwärmung beitragen.
Die Vermeidung von Kondensstreifen sollte laut T&E vorrangig in Regionen mit hohem Erwärmungseffekt, aber geringem Verkehrsaufkommen erfolgen. Die Analyse zeigt, dass 2019 rund 70 Prozent der durch Kondensstreifen verursachten Erwärmung in Europa vermeidbar gewesen wäre, wenn Flüge bei niedrigeren Verkehrsaufkommen von weniger als 60 Prozent des jährlichen Spitzenwerts umgeleitet worden wären. Diese Umleitung kann mithilfe von Wettervorhersagen vor dem Flugstart geplant werden. Dadurch kann die Arbeitsbelastung der Fluglotsen verringert und ein sicherer Flugbetrieb gewährleistet werden.
Um die Vermeidung von Kondensstreifen zu verbessern, empfiehlt T&E, dass die EU:
Groß angelegte Versuche zur Vermeidung von Kondensstreifen durchführt.
Nicht-CO₂-Effekte und Kondensstreifen in die Rechtsvorschriften zur Flugsicherung (ATM) einbeziehen.
Die automatische Ausweitung des Nicht-CO₂-Überwachungssystems der EU auf Flüge aus dem europäischen Wirtschaftsraum beibehält, um die Daten und die Forschung zu Kondensstreifen weiter zu verbessern.
Anreize für Fluggesellschaften und Flugsicherungszentren zur Vermeidung von Kondensstreifen schafft.
Anmerkung für die Redaktion:
[1] T&E-Analyse (2025), basierend auf Teoh et al. (2024) für das Jahr 2019, erneut durchgeführt von ICL mit einer aktualisierten Version von pycontrails (v0.54.8). Die Daten von Teoh et al. (2024) aus dem Jahr 2019 sind die aktuellsten peer-reviewten Daten, die derzeit verfügbar sind. Es ist davon auszugehen, dass diese Zahlen mit den bald erscheinenden Daten für 2024 vergleichbar sind, da der Luftverkehr gerade wieder das Niveau von 2019 erreicht hat.
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