Pressemitteilung

Neue Studie: Kondensstreifen vermeiden könnte Erderwärmung durch Luftverkehr um zehn Jahre verzögern

22. September 2026

Ein neuer Bericht von Klima Consulting im Auftrag von T&E kommt zu dem Ergebnis, dass die durch den Luftverkehr verursachte Erderwärmung um zehn Jahre verzögert werden könnte, wenn Kondensstreifen vermieden werden. Verfasst vom ehemaligen IPCC-Wissenschaftler Olivier Boucher zeigt der Bericht, dass der Beitrag des Luftverkehrs zur Erderwärmung von 0,08 °C im Jahr 2040 auf 2050 verschoben werden könnte. Damit ist die Vermeidung von Kondensstreifen eine besonders wirksame Klimaschutzmaßnahme, denn Kondensstreifen sind in ihrer klimaschädlichen Wirkung mit CO2-Emissionen der Luftfahrt vergleichbar, werden aber nur von einem kleinen Teil der Flüge verursacht.

Die Analyse zeigt weiter, dass sich die Erde bis 2050 um rund 0,025 °C weniger erwärmen würde, wenn ab 2030 die Hälfte aller Kondensstreifen vermieden würde. Bis 2070 läge der Effekt bei 0,049 °C.

Sollte das Wachstum der Luftfahrt ungehindert anhalten, könnte sich ihr weltweiter Energieverbrauch bis 2050 im Vergleich zu 2019 mehr als verdoppeln. Eine Halbierung der Klimaeffekte von Kondensstreifen könnte, ausgehend vom aktuellen Flugverkehr, zwischen 7 und 23 Prozent der weltweiten CO2-Emissionen des Luftverkehrs im Jahr 2025 einsparen. Dies entspricht den jährlichen Emissionen von 15 bis 50 Millionen benzinbetriebenen Pkw. Die Entstehung von Kondensstreifen durch Umleitung oder Umplanung von Flügen zu reduzieren, ist eine der kosteneffizientesten Möglichkeiten, die Klimawirkungen des Luftverkehrs zu verringern. 2019 waren nur 3 Prozent aller Flüge für 80 Prozent der durch Kondensstreifen verursachten Erwärmung verantwortlich, wobei ein Großteil der Flüge mit den größten Auswirkungen nachts und im Winter stattfand.

„Kondensstreifen vermeiden ist eine einfache Klimamaßnahme mit großer Wirkung. Wir haben jetzt die einmalige Gelegenheit, diese Beschleuniger des Klimawandels in den Griff zu bekommen“, sagt Anna Comino, Senior Managerin Luftverkehr, Kraftstoffe & Emissionshandel bei T&E Deutschland. „Schon die Umleitung oder Umplanung von nur wenigen Flügen könnte die klimaschädlichen Auswirkungen der Luftfahrt auf die Erderwärmung um zehn Jahre verzögern. Dieses Zeitfenster sollten wir unbedingt nutzen, denn die Reduzierung von Kondensstreifen ist möglicherweise die einzige Chance für die Luftfahrt, die Klimaziele einzuhalten. Die Maßnahme funktioniert und ist kostengünstig – warum also widersetzt sich die Luftfahrtindustrie?“

Trotz ihrer erheblichen Auswirkungen gibt es weder auf europäischer noch auf globaler Ebene verbindliche Maßnahmen, um die Nicht-CO2-Klimawirkungen des Luftverkehrs zu verringern. Dies ist zum Teil das Ergebnis jahrelanger Untätigkeit, da die Luftfahrtindustrie lange behauptet hat, die wissenschaftlichen Erkenntnisse zu Kondensstreifen seien noch nicht ausreichend gesichert. Erst 2025 begann die Europäische Kommission mit der Erfassung der Nicht-CO2-Emissionen des Luftverkehrs und schlug erst kürzlich im Rahmen der Überarbeitung des EU-Emissionshandelssystems (EU-ETS) kostenlose Emissionszertifikate für Fluggesellschaften vor, denen es gelingt, Kondensstreifen zu vermeiden.

Der neue T&E-Bericht gibt einen Überblick über den aktuellen Stand der Wissenschaft zu Kondensstreifen im Luftverkehr. Die wissenschaftlichen Belege sind mittlerweile ausreichend fundiert, um politische Maßnahmen gegen Kondensstreifen im Sinne des Vorsorgeprinzips zu rechtfertigen. Es besteht noch weiterer Forschungsbedarf, jedoch betonen die Autoren:innen, dass keine dieser Unklarheiten Europa daran hindern sollte, Kondensstreifen zu vermeiden. In diesem Winter wird ein Konsortium, dem unter anderem die britische Regierung und Flugsicherungsdienste angehören, den weltweit ersten Test im ozeanischen Luftraum durchführen, um die durch Kondensstreifen verursachte Erwärmung über dem Nordatlantik zu reduzieren.

Nur solange Maßnahmen gegen Kondensstreifen aufrechterhalten werden, kann der Temperaturanstieg begrenzt werden. Dementsprechend wichtig ist es, nachhaltige Lösungen zur Vermeidung von Kondensstreifen mit einer wirksamen Reduzierung der CO2-Emissionen zu kombinieren. Maßnahmen gegen Kondensstreifen sind kein Ersatz für die Senkung der CO2-Emissionen des Luftverkehrs.

T&E empfiehlt:

  • Die EU sollte ihr Monitoring für Nicht-CO2-Emissionen im Jahr 2027 auf alle Flüge ausweiten, um wissenschaftliche Erkenntnisse über Nicht-CO2-Emissionen weiter zu verbessern.

  • Das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten sollten den Vorschlag der Europäischen Kommission unterstützen, wonach Fluggesellschaften kostenlose ETS-Zertifikate erhalten, wenn sie Kondensstreifen vermeiden.

  • Forschungsprogramme sollten sich auf die Unsicherheiten konzentrieren, die für die Vermeidung von Kondensstreifen am relevantesten sind und Maßnahmen zur Bekämpfung von Kondensstreifen erschweren, darunter Prognosen über Luftfeuchtigkeit und die satellitengestützte Echtzeit-Überprüfung von Kondensstreifen.