2030 Das Jahr, ab dem Europa genügend Batteriezellen für E-Autos produzieren könnte, um den eigenen Bedarf zu decken – sofern alle geplanten Gigafactories realisiert werden, einschließlich der gefährdeten Projekte.
Batterien
Europa befindet sich in einem globalen Wettlauf um die Cleantech-Führung und die benötigten Rohstoffe. Der zentrale Konkurrent China hat durch jahrzehntelange Subventionen einen langjährigen Vorsprung. Um Schritt zu halten, muss Europa eine robuste industriepolitische Strategie entwickeln und eine lokale Batteriewertschöpfungskette aufbauen. So kann die Versorgung gesichert, Arbeitsplätze geschaffen und wirtschaftliche Resilienz gewährleistet werden.
Was steckt in einer E-Auto-Batterie?
Batterien sind der Antrieb für saubere Technologien, einschließlich E-Autos. Die Batterieproduktion ist jedoch alles andere als einfach. Vom Abbau bis zu der Verarbeitung der benötigten kritischen Rohstoffe wie Lithium und Kobalt sind viele Schritte erforderlich. Das Gleiche gilt für das Recycling der Batterie am Ende ihrer Lebensdauer, wodurch wichtige Ressourcen zurückgewonnen werden können. Diese Prozesse zu verstehen, ist entscheidend, um Europas Lücken in der Batteriewertschöpfungskette zu erkennen.
Besonders bedeutend ist die Midstream-Phase. Hier werden Schlüsselkomponenten wie Anodenaktivmaterialien (AAM) und Kathodenaktivmaterialien (CAM) sowie deren Vorprodukte (pCAM) hergestellt. Sie sind ein wertvoller und strategisch wichtiger Teil der Wertschöpfungskette. Bevor das finale Batteriepack in ein E-Auto eingebaut wird, wird die Zelle hergestellt und anschließend die fertige Batterie montiert. Diese Schritte finden häufig in einer Gigafactory statt.
1690 GWh Die für 2035 angekündigte Batteriekapazität in Europa
x3 Der Faktor, um den die Batteriezellproduktion in Europa bis 2030 voraussichtlich wachsen wird
70 Die Zahl der Gigafactory-Projekte, die derzeit in der EU entstehen (inkl. früher Entwicklungsphase, Bau oder Produktion).
Können wir eine Batteriewertschöpfungskette in Europa aufbauen?
Europa verfügt bereits über eine erhebliche Anzahl betriebsbereiter Gigafactories. Weitere Projekte sind angekündigt oder befinden sich in der Entwicklung. Europa hat das Potential, innerhalb weniger Jahre bei der Batteriezellproduktion autark zu werden.
Neben Gigafactories ist dafür die Ansiedlung der gesamten Wertschöpfungskette unerlässlich. Kathodenaktivmaterialien (CAM) und Vorprodukte für Kathodenaktivmaterialien (pCAM) repräsentieren eines der strategisch wichtigsten Segmente in der Produktion – wirtschaftlichen Wertes als auch der technologischen Bedeutung.
Europa hat die Chance, diesen Teil der Wertschoepfungskette lokal herzustellen. Bis zum Ende des Jahrzehnts sollte die Region in der Lage sein, über die Hälfte der Kathoden, die sie benötigt, selbst zu produzieren. Hierfür ist jedoch eine sichere Nachfrage entscheidend. CAM- und pCAM-Anlagen brauchen umfangreiche, stabile Abnahmevereinbarungen mit europäischen Zellherstellern, die wiederum von einem verlässlichen Hochlauf der Elektrifizierung abhängen.
Der europäische Batteriesektor ist mit erheblichen marktwirtschaftlichen Herausforderungen konfrontiert. Gezielte Unterstützung ist entscheidend, um diese zukunftsweisende Technologie in Europa anzusiedeln. Die EU hat seit der Insolvenzankündigung von Northvolt Anfang 2025 häufig die Notwendigkeit betont, eine heimische Batterieindustrie sichern zu wollen. Bisher mangelt es allerdings an einer Umsetzung in die Praxis.
Die Investitionsförderung für Batterien in Europa ist zu langsam, um den Hochlauf der lokalen Produktion angemessen zu stärken. Produktionsbeihilfen bleiben ein Tabuthema, und der versprochene "Battery Booster" muss erst noch umgesetzt werden. Ähnlich verhält es sich mit europäischen Investitionen, die durch unfairen globalen Wettbewerb untergraben werden, weil effektive Handelsschutzmechanismen fehlen. Chinesische Batterieimporte, auf die praktisch keine Zöllen anfallen, haben sich zwischen 2020 und 2025 versiebenfacht. Dies erfordert den Einsatz agiler und wirksamer Handelsschutzinstrumente im Batteriesektor.
Der effektivste Vorschlag, der für die EU-Industriepolitik auf dem Tisch liegt, ist der im März 2026 angekündigte Industrial Accelerator Act (IAA). Der IAA sieht vor, dass öffentliche Förderungen wie Kaufprämien und Steueranreize für E-Autos an "Made-in-EU"-Vorgaben geknüpft werden. Andere Regionen wie die USA, Indien und Indonesien nutzen ähnliche Instrumente, um kritische Cleantech-Industrien anzusiedeln.
T&E unterstützt eine konsequente "Made-in-EU"-Politik, die die wirtschaftliche Resilienz Europas stärkt, Arbeitsplätze sichert und klima- und sicherheitspolitische Ziele umsetzt. Die EU sollte sicherstellen, dass ein erheblicher und steigender Anteil der in E-Autos eingesetzten sauberen Technologien in Europa produziert wird: Batterien und deren Schlüsselkomponenten, Elektronik, Elektromotoren, Chips und Software. Auch außereuropäische Unternehmen sollten angeregt werden, ihre Lieferketten nach Europa zu verlagern und echte wertschöpfende Partnerschaften einzugehen.
Analysen von T&E zeigen, dass in Europa ein riesiges Potenzial in der Batterieproduktion steckt. Selbst wenn die Gesamtproduktion möglicherweise nur die Hälfte der Ankündigungen beträgt, werden wir bis 2030 immer noch genügend Zellen für subventionierte Autos und Firmenfahrzeuge im Rahmen des IAA haben.
Schon heute entsteht in der EU eine vielfältige Batterieindustrie aus südkoreanischen, chinesischen und europäischen Projekten. Eine starke Abhängigkeit von einzelnen Ländern ist jedoch zu vermeiden. Ebenso muss sichergestellt sein, dass ausländische Investitionen in Europas Batteriewertschöpfungskette dem Kontinent echten Mehrwert bringen.
Der IAA führt längst überfällige Bedingungen für ausländische Direktinvestitionen (FDI) ein. Ehrgeizige FDI-Bedingungen sind für strategische Sektoren wie den Batteriebereich von entscheidender Bedeutung, um langfristigen Mehrwert für die europäische Industrie zu gewährleisten. Europa kann nicht länger bloß die verlängerte Werkbank für Schlüsseltechnologien sein, sondern muss sie selbst beherrschen. T&E fordert, die festgelegten Bedingungen für FDI beizubehalten, einschließlich Beteiligungsobergrenzen und einer EU-Mindestbeteiligung von 51 Prozent, verpflichtende Lizenzvereinbarungen für geistige Eigentumsrechte und Know-how sowie einer verbindlichen Beschäftigung von Arbeitskräften aus der EU.
Wie kann Europa sich Zugang zu kritischen Rohstoffen resilient und nachhaltig sichern?
Die Nachfrage nach kritischen Batterierohstoffen (Critical Raw Materials, CRM) in Europa wird bis 2050 stark ansteigen, da der Kontinent auf emissionsfreien Straßenverkehr umstellt. Gleichzeitig ist die EU stark vom Import dieser Rohstoffe abhängig und hält bei Investitionen im weltweiten Vergleich nicht Schritt.
Kritische Rohstoffe resilient und verantwortungsvoll zu sichern, wird von zentraler Bedeutung sein. In den letzten Jahren hat Europa seine Bemühungen zur Versorgung mit diesen CRMs beschleunigt. Trotz unzähliger Absichtserklärungen und der Identifizierung zahlreicher strategischer Projekte in Europa und darüber hinaus wurden vor Ort kaum Fortschritte erzielt. Dies liegt vor allem daran, dass der EU die richtigen Instrumente fehlen, um in Projekte zu investieren. Das geplante EU-CRM-Zentrum sollte weit über bloße Koordination und Bevorratung hinausgehen. Es benötigt ausreichend Budget, um Projekte innerhalb und außerhalb der EU finanziell zu unterstützen - vor allem aus dem künftigen Europäischen Competitiveness Fund und dem Global Europe Instrument im EU-Haushalt.
Gleichzeitig muss Europa strenge Umwelt- und Sozialstandards für seine Batterielieferketten durchsetzen. Nur so kann sichergestellt werden, dass die Antriebswende wirklich nachhaltig und gerecht ist.
Der Abbau jeglicher Rohstoffe, einschließlich fossiler Energiequellen und Mineralien, ist historisch von Missständen geprägt. Mit dem Umstieg auf erneuerbare Energien und E-Autos, richtet sich die Aufmerksamkeit immer mehr auf verantwortungsvolle Lieferketten.
Die EU-Batterieverordnung führt Sorgfaltspflichten ein, die einen Wendepunkt für nachhaltige Batterien markieren werden. Um sicherzustellen, dass nicht nur Kobalt-Lieferketten geprüft sind, sondern auch Nickel, Lithium und Graphit, müssen die Vorgaben effizient umgesetzt werden. Gesetzgeber müssen sicherstellen, dass die Richtlinien zur Umsetzung nach bewährten Verfahren und bestehenden internationalen Standards entwickelt werden. Europa muss zudem mit den Rohstoff produzierenden Ländern zusammenarbeiten, um sie über die Auswirkungen der Verordnung zu informieren und kleinere Unternehmen bei der Erfüllung der Anforderungen angemessen unterstützen.
Es ist entscheidend, der Abhängigkeit von China bei der Versorgung mit kritischen Rohstoffen durch strategische verlässliche Partnerschaften, den Aufbau lokaler Wertschöpfungsketten und die Umsetzung von Projekten in Partnerländern entgegenzuwirken.
Warum recyceln wir unsere Batterien noch nicht?
Im Gegensatz zu Verbrennermotoren sind Batterien in E-Autos Teil eines Kreislaufsystems, in dem Batteriematerialien zurückgewonnen und wiederverwendet werden können. Das Recycling von Batteriematerialien ist entscheidend, um den Bedarf an neu gewonnenen Rohstoffen zu senken und damit die Auswirkungen des Rohstoffabbaus auf die Umwelt und die Menschen vor Ort zu begrenzen.
Die Recyclingindustrie für Batterien baut derzeit Kapazitäten aus und bis 2030 dürfte ein erheblicher Teil der benötigten Batterierohstoffe für Europa aus lokalem Recycling stammen. Europas Recyclingindustrie tut sich jedoch beim Hochlauf schwer, denn ihr fehlt das benötigte Material. Riesige Mengen an Altfahrzeugen, Altbatterien und Schwarzmasse werden aus der EU exportiert und anderswo verarbeitet.
Darüber hinaus wird es ohne eine Batteriewertschöpfungskette in Europa kaum Nachfrage nach recycelten Materialien aus Europa geben. Um seine Recyclingindustrie erfolgreich auszubauen, muss Europa die gesamte Batteriewertschöpfungskette ansiedeln. Dies umfasst insbesondere die Midstream-Industrie mit Kathodenaktivmaterialien und deren Vorprodukten (pCAM). Dieser Teil der Wertschöpfungskette ist von zentraler Bedeutung, da diese Akteure die Abnehmer für europäische Recycler sein werden. Das anstehende Kreislaufwirtschaftsgesetz (Circular Economy Act) kann und muss die Instrumente bereitstellen, um den effektiven Ausbau der Materialrückgewinnungs- und Recyclingkapazitäten Europas zu unterstützen.
Bereit für die Skalierung: Europa kann Batteriezellen-Nachfrage decken und die lokale Wertschöpfung ausbauen
Local-Content-Vorgaben für Batteriekomponenten sichern die Nachfrage nach Zellen und Investitionen in die Produktion von Kathodenaktivmaterial
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