Pressemitteilung

EU-Emissionshandel: Airlines bezahlen für zwei Drittel der europäischen Flugemissionen keinen CO2-Preis

9. Juni 2026

Neue T&E-Analyse: Lufthansa profitiert von einem Schlupfloch für Langstreckenflüge und zahlte 2025 nur einen Bruchteil der tatsächlichen Klimakosten. T&E fordert Reform des EU-Emissionshandels für die Luftfahrt.

Zum Auftakt der Luftfahrtmesse ILA Berlin zeigt eine neue Analyse von T&E, dass für zwei Drittel der CO2-Emissionen des europäischen Flugverkehrs 2025 keine CO2-Preise gezahlt wurden. [1] Damit ließ der Sektor 8,5 Milliarden Euro an Emissionskosten unbezahlt. Hauptgrund ist, dass Langstreckenflüge weiterhin weitgehend vom Emissionshandel ausgenommen sind. Zu den Profiteuren dieser Ausnahme zählt die deutsche Lufthansa. Der europäische Emissionshandel (EU ETS) verfehlt damit in der Luftfahrt seine Klimawirkung. T&E fordert gerechte Reformen.

Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland, sagt: „Es ist unverständlich, warum ausgerechnet der Sektor, der ungebremst mit am meisten Emissionen verursacht, am wenigsten dafür bezahlt. Gerade die Schlupflöcher für Langstreckenflüge müssen gestopft werden, denn hier haben wir ein massives Gerechtigkeitsproblem. Es kann nicht sein, dass Menschen, die in Europa Urlaub machen, wesentlich stärker zur Kasse gebeten werden, als ein Unternehmen, das Geschäftsreisende von Frankfurt nach Shanghai schickt. Solange Hersteller auf der ILA keine Flugzeuge präsentieren können, die dem Großteil der Menschen erlauben, nachhaltig zu fliegen, bleibt das ETS-System einer der wichtigsten Hebel.”


Europaweit verursachten Flüge 2025 insgesamt 195 Millionen Tonnen CO2 und lagen damit erstmals wieder über dem Niveau vor der Pandemie. Airlines bezahlten im selben Jahr rund 4,1 Milliarden Euro für ETS-Zertifikate in Europa. Damit blieben laut T&E-Analyse weitere 8,5 Milliarden Euro an Emissionskosten unbezahlt – vor allem wegen der Ausnahmen für internationale Flüge und kostenloser Zertifikate. Flüge ab Deutschland verursachten 2025 insgesamt 28,4 Millionen Tonnen CO2. Im Schnitt bezahlten Airlines nur 19 Euro pro Tonne CO2 – etwa ein Drittel des regulären ETS-Preises.

Die Analyse zeigt, dass vor allem große Netzwerk-Airlines mit vielen Langstreckenverbindungen von den Lücken im ETS profitieren. Die Deutsche Lufthansa AG verursachte 2025 mit 8,3 Millionen Tonnen CO₂ fast ein Drittel aller Flugemissionen ab Deutschland. Gleichzeitig blieben laut T&E rund 72 Prozent ihrer eigentlichen Emissionskosten unbezahlt. Zum Vergleich: Billigfluggesellschaften wie Ryanair zahlen anteilig deutlich mehr für ihre Emissionen, da ein größerer Teil ihrer Flüge innerhalb Europas und damit im ETS stattfindet.

Die Europäische Kommission überprüft derzeit die Zukunft des Emissionshandels für die Luftfahrt. T&E fordert, die Reform zu nutzen, um den ETS zu einem wirksamen Instrument für die Dekarbonisierung des Flugverkehrs zu machen. Dafür ist laut T&E eine Ausweitung des ETS auf alle abgehenden Flüge ab 2027 entscheidend. Laut T&E-Berechnungen könnten dadurch zusätzlich 107 Millionen Tonnen CO2 erfasst und Milliardenbeträge für klimafreundliche Investitionen mobilisiert werden. Ausgehend von den Daten für 2025 könnten allein in Deutschland durch diese ETS-Ausweitung weitere 17 Millonen Tonnen CO2 erfasst werden und zusätzlich Einnahmen in Höhe von 1,3 Milliarden Euro generieren. T&E fordert zudem eine Zweckbindung von ETS-Einnahmen für nachhaltige Flugkraftstoffe (e-SAF), Förderung von Maßnahmen zur Vermeidung klimaschädlicher Kondensstreifen, und eine Reform der kostenlosen SAF-Zertifikate zugunsten synthetischer Kraftstoffe.

Sebastian Bock sagt: „Nachhaltigkeit darf bei der ILA Berlin nicht schon wieder zum Randthema verkommen, denn die Emissionen des Luftverkehrs erreichen neue Höchststände. Das zeigt, dass die Branche nicht die Absicht hat, ihren Kurs in absehbarer Zeit zu ändern. Deshalb müssen wir im EU-Emissionshandelssystems alle in Europa abfliegenden Flüge in die Pflicht nehmen. So können wir Milliarden zusätzlich pro Jahr einnehmen und damit den Übergang zu grünen Flugkraftstoffen subventionieren. Fossile Freifahrtscheine können wir uns in Zeiten der Öl- und Klimakrise nicht mehr leisten.”

ENDE

Hinweise für die Redaktion:

[1] Die Analyse basiert auf Eurocontrol-Daten, ETS-Datenbanken sowie Modellierungen von T&E für das Jahr 2025. Berücksichtigt wurden sämtliche Flüge mit Abflug in Deutschland bzw. Europa.