Neue Prognose: Ölkonzerne werden 24 Milliarden Euro Übergewinn auf Kosten von europäischen Autofahrenden machen
T&E fordert eine zeitweilige Übergewinnsteuer für Ölkonzerne
Die großen Ölkonzerne werden in Europa in diesem Jahr voraussichtlich 24 Milliarden Übergewinn durch den Konflikt im Nahen Osten erzielen. [1] Das zeigt ein neuer Tracker von T&E. [2] Bereits jetzt haben die Ölkonzerne 1,3 Milliarden Euro Übergewinn erzielt, so die Analyse. T&E fordert von der EU eine Steuer für Übergewinne. Die eingenommenen Mittel sollten dafür eingesetzt werden, Europäerinnen und Europäer für künftige Ölkrisen abzusichern.
Sebastian Bock, Geschäftsführer bei T&E Deutschland, sagt: „Wieder einmal klingeln die Kassen der Ölkonzerne zulasten der breiten Bevölkerung. Die Ölriesen tun alles in ihrer Macht, um Europa so lange wie möglich von fossilen Brennstoffen abhängig zu machen. Die Bundesregierung darf hier nicht tatenlos zuschauen. Wir brauchen dringend eine Übergewinnsteuer, deren Einnahmen in die E-Mobilität und erneuerbare Energien investiert werden.“
Nach dem Angriff der USA und Israels auf den Iran am 28. Februar sind die Spritpreise rapide gestiegen. Bis zum 23. März lagen die durchschnittlichen Tankstellenpreise in der EU bei 2,06 Euro pro Liter für Diesel und 1,89 Euro pro Liter für Benzin. Das entspricht einem Anstieg um 0,49 Euro bzw. 0,27 Euro. Das Befüllen eines 55-Liter-Dieseltanks kostet nun fast 27 Euro mehr als vor Beginn des Konflikts, bei einem Benziner sind es 15 Euro mehr. In Deutschland sind die Spritpreise noch stärker gestiegen.
2022 führte die EU eine Abgabe in Höhe von 33 Prozent auf Gewinne aus fossilen Kraftstoffen ein, die 20 Prozent über dem Durchschnitt der Jahre 2018 bis 2021 lagen. Dadurch wurden zwischen 2022 und 2023 Schätzungen zufolge rund 28 Milliarden Euro eingenommen. Dieser Mechanismus sollte erneut genutzt werden, so T&E.
Die Margen für die Dieselraffination in Europa haben sich stärker entwickelt als in anderen Regionen, was auf einen strukturellen Mangel an heimischen Raffineriekapazitäten zurückzuführen ist. Im Gegensatz dazu fielen die Margen für Benzin aufgrund hoher Lagerbestände in den USA und Europa sowie einer schwachen saisonalen Nachfrage verhaltener aus. Die EU ist strukturell weiterhin stärker von Diesel- als von Benzinimporten abhängig. Da rund 20 Prozent des europäischen Diesels importiert werden, werden die Übergewinne in Nicht-EU-Ländern erzielt, was die Wirksamkeit einer etwaigen EU-weiten Sonderabgabe einschränkt.
Der T&E-Übergewinn-Tracker wird wöchentlich aktualisiert.
ENDE
Anmerkungen für die Redaktion:
[1] Hochgerechnet auf das gesamte Jahr 2026.
[2] Die Schätzung von T&E ist insofern konservativ, als dass sie nur Kraftstoffe für den Straßenverkehr berücksichtigt und keine Übergewinne aus dem Verkauf von Kraftstoffen für die Luft- und Schifffahrt, Heizöl oder anderen in Europa verkauften Raffinerieprodukten einbezieht. Weitere Einzelheiten stehen in der methodischen Erklärung.
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