Meinung

Mehr BRD gegen BYD

William Todts — 20. Juli 2026

Warum es zu spät ist, die Umstrukturierung der deutschen Autoindustrie zu verhindern, es aber noch Zeit gibt, sie zu retten.

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Immer wieder werde ich gefragt: Was läuft schief bei VW? Die Liste der Erklärungen ist lang. Doch das ist Geschichte. Die wichtigere Frage ist: Wie retten wir die deutsche Autoindustrie und warum hilft die Bundesregierung dabei nicht?

Der Sanierungsplan von VW-Chef Blume wird oft als Kampf zwischen Arbeitnehmern und Management dargestellt. Die Rolle der Bundesregierung? Wenig beachtet. Dabei müssten Merz, Klingbeil und Reiche dringend ihre Strategie ändern, damit VW und der Rest der Industrie auch in Zukunft erfolgreich sind. Hier drei Vorschläge, was sie tun sollten:

Die oberste Priorität ist, die Nachfrage nach deutschen Autos im Kernmarkt Europa wieder anzukurbeln. Hier liegen die Verkaufszahlen immer noch mehr als 2 Millionen unter dem Peak von 2019. Ein starkes Mittel ist die Kaufförderung für E-Autos. Dank der Wiederauflage der deutschen E-Auto-Prämie stieg nicht nur der Anteil der Stromer im Juni auf 28% der Neuzulassungen, der deutsche Gesamtmarkt wuchs ebenfalls um über 15%. Der E-Auto-Hochlauf führt also genau zu dem, was die Industrie fordert: ein höheres Marktvolumen.

Trotzdem muss die Bundesregierung mehr tun, damit die neuen E-Autos auch Arbeitsplätze in Deutschland und Europa sichern. Aktuell macht sie das Gegenteil.

Dem EU-Vorschlag, Subventionen und Kaufprämien künftig auf E-Autos zu beschränken, die in Europa hergestellt wurden, gewinnt die Bundesregierung lediglich ein Lippenbekenntnis ab. In der Praxis torpediert Katherina Reiche den Brüsseler Plan, insbesondere im margenträchtigen Segment der gewerblich zugelassenen Autos, wie zum Beispiel Dienstwagen, klar auf Made-in-EU zu setzen. Parallel dazu subventioniert Merz’ Kaufprämie großzügig E-Autos made-in-China.

Zweitens braucht es Klarheit darüber, was Wettbewerbsfähigkeit heißt. Die Autos der Zukunft sind elektrisch, autonom, und software-definiert. Deutschland ist in keiner dieser Technologien führend. Leistet die Bundesregierung keine ernsthafte Hilfe bei dieser Transformation, dann schafft sie sich selbst als Autonation ab.

Das perfekte Beispiel sind Batterien. China baut stoisch seine weltweite Dominanz bei Batterie-Lieferketten aus. So bitter die Northvolt-Pleite war: die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt darf den Anschluss in einem der wichtigsten Technologiefelder der Zukunft nicht wegen einer gescheiterten Förderung aufgeben.

Gleichzeitig versucht VWs Batterietochter PowerCo die Produktion auszubauen – aufgrund der weitgehend fehlenden Rückendeckung und Förderung der Bundesregierung jedoch vor allem im Ausland. Warum bekommt das Unternehmen mehr Unterstützung in Kanada, Spanien und Brüssel als in der eigenen Heimat?

Oder die deutsche Position zu den CO2-Flottengrenzwerten der EU. Man kann verstehen, dass eine Merz-CDU ein Gesetz aus Ampel-Zeiten anpassen will. Aber Europas wichtigstes Klimaschutzgesetz so weit aushöhlen zu wollen, dass der wichtigste Motor der Elektrifizierung in der EU vollständig zerstört wird, ist Wahnsinn.

Vor allem, wenn dies in Zeiten immer wiederkehrender Ölkrisen geschieht.

Drittens verschleppt die Bundesregierung die notwendige Neuaufstellung der Autoindustrie. Deutschland braucht einen Plan für seine Automobilregionen und Arbeitnehmer, ähnlich wie beim Kohleausstieg. Jetzt wäre der richtige Zeitpunkt, um ein umfangreiches Investitionsprogramm für die am stärksten betroffenen Regionen vorzulegen. Insbesondere für jene, deren Automobilwirtschaft am stärksten am Verbrenner hängt. Es gibt viele Möglichkeiten für neue Unternehmen und Jobs, insbeondere in Branchen, die für die Zukunft der deutschen Automobilindustrie entscheidend sind. Von Robotik über Elektromotoren und neue Batteriechemien fehlt es Deutschland nicht an start-ups und Ideen, um eine führende Rolle in der Automobilwirtschaft der Zukunft zu spielen.

Wenn es ein Land gibt, das sich das leisten kann und diese Investitionen tatsächlich braucht, dann ist es Deutschland.

Es ist zu spät, um eine tiefgreifende Umstrukturierung der deutschen Automobilindustrie zu verhindern, aber nicht, um der Branche eine vielversprechende Zukunft zu sichern. Wenn nur die deutsche Regierung dabei helfen würde.