Iran-Konflikt trifft Benziner fünfmal stärker als Stromer
Die EU gab im vergangenen Jahr 67 Milliarden Euro für Ölimporte für Autos aus. Ein schnellerer Umstieg auf E-Autos würde die Ölimporte in den nächsten zehn Jahren um 45 Milliarden Euro senken.
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Wer einen Benziner fährt, wird von den Preissteigerungen im Zusammenhang mit dem Iran-Konflikt weitaus stärker betroffen sein als E-Autofahrende, zeigt eine neue T&E-Analyse. Da die Ölpreise die Marke von 100 Dollar pro Barrel überschritten haben, werden die zusätzlichen Kosten für das Betanken eines Benziners voraussichtlich fünfmal so hoch sein wie die Mehrkosten für das Aufladen eines E-Autos. E-Autos stehen beim EU-Umweltratstreffen ganz oben auf der Tagesordnung. Hier wird am heutigen Dienstag in Brüssel der Kommissionsvorschlag zur Abschwächung der Flottengrenzwerte für Autohersteller im EU-Autopaket erörtert.
T&E hat die zu erwartenden Auswirkungen auf die Benzinpreise analysiert und festgestellt, dass das Betanken eines durchschnittlichen Benziners 14,20 € pro 100 km kosten würde – ein Anstieg um 3,80 € aufgrund des Iran-Konflikts. Die durchschnittlichen Kosten für das Aufladen eines E-Autos würden bei 6,50 € pro 100 km liegen – ein Anstieg um 0,70 € aufgrund höherer Strompreise, die durch teureres Gas verursacht werden. [1] Bei Firmenwagen, die weitere Strecken zurücklegen als Privatfahrzeuge, werden die Auswirkungen noch größer sein: zusätzliche 89 € pro Monat für jeden Benziner in der Firmenflotte. Das Aufladen von E-Firmenwagen würde nur 16 € zusätzlich pro Monat kosten.
Sebastian Bock, Geschäftsführer von T&E Deutschland, sagt: „Wer diese Tage seinen Benziner tankt, muss starke Nerven haben. Jede Ölkrise ist als erstes an der Zapfsäule zu spüren. Die beste Versicherung gegen den Preisschock sind E-Autos, doch Bundeskanzler Merz will den Umstieg verlangsamen. Gleichzeitig sorgt Wirtschaftsministerin Reiche dafür, dass günstige und heimische Energiequellen wie Wind und Sonne geschwächt werden.“
T&Es Analyse kommt zudem zu dem Ergebnis, dass die EU im Jahr 2025 eine Milliarde Barrel Öl für Autos importierte, was Kosten in Höhe von 67 Milliarden Euro verursachte. Die 8 Millionen E-Autos, die bereits auf Europas Straßen unterwegs sind, haben der EU im letzten Jahr weitere 46 Millionen Barrel Ölimporte im Wert von 2,9 Milliarden Euro eingespart.
Im Dezember schlug die EU-Kommission als Teil des Autopakets vor, die Flottengrenzwerte für Pkw zu schwächen und Elektrifizierungsziele für große Unternehmensflotten festzulegen. Die Autoindustrie und einige EU-Politiker, darunter Friedrich Merz, wollen, dass die Flottengrenzwerte noch weiter abgeschwächt werden, und lehnen die Ziele für Unternehmensflotten ab. Eine solche Abschwächung würde den Umstieg auf E-Autos in Europa verzögern und die Abhängigkeit vom Öl verlängern. Ein ambitionierteres Autopaket [2] würde dagegen den Markthochlauf von E-Autos fördern und die Ölimporte zwischen 2026 und 2035 um 45 Milliarden Euro senken, so das Ergebnis der Analyse.
Heute werden die EU-Umweltminister:innen über den Vorschlag der Kommission beraten, die Flottengrenzwerte für Pkw in 2030 und 2035 abzuschwächen. T&E fordert die Minister:innen auf, sich für die Bürger:innen einzusetzen, die mit steigenden Kraftstoffkosten konfrontiert sind, indem sie den Druck auf die Autohersteller aufrechterhalten, mehr E-Autos anzubieten. Ein aktueller Bericht von T&E ergab, dass der Durchschnittspreis für ein E-Auto in der EU zum ersten Mal seit 2020 gesunken ist. Das ist auf die Markteinführung erschwinglicherer E-Modelle zurückzuführen, mit denen die Hersteller ihre Flottengrenzwerte erfüllen wollen.
T&E erklärt zudem, dass mehr Ambitionen bei der Elektrifizierung von Fahrzeugflotten großer Unternehmen nötig sind. Die derzeitigen Zielvorgaben entsprechen lediglich den Markttrends und würden nicht dazu führen, dass Unternehmen ihre Flotten schneller elektrifizieren. Besonders der Gebrauchtwagenmarkt würde profitieren und Käufer:innen einen schnelleren Umstieg auf sparsame und günstige E-Autos ermöglichen. Durch eine Verschärfung der vorgeschlagenen Flottenziele könnten im Jahr 2035 zusätzlich 3,6 Millionen gebrauchte E-Autos auf den Gebrauchtwagenmarkt gelangen.
Sebastian Bock sagt: „Die Bundesregierung muss endlich erkennen, dass unsere strategische Souveränität nicht an der Zapfsäule verteidigt wird. Wer jetzt noch die Elektrifizierung bremst, zementiert Europas fatale Abhängigkeit von importiertem Öl und lässt Bürger und Bürgerinnen den Preis dafür zahlen. Wenn Kanzler Merz sich dem Druck der Autolobby beugt und eine Schwächung der Flottengrenzwerte zulässt, macht das Autofahren für Millionen Deutsche langfristig teurer, um die kurzfristigen Profite der Konzerne zu schützen.”
ENDE
Anmerkungen für die Redaktion:
[1] Die T&E-Analyse geht davon aus, dass die durchschnittlichen Spritpreise in der EU auf einem hohen Niveau von etwa 2 € pro Liter bleiben, wie es zuletzt während der Energiekrise 2022 der Fall war, als die Ölpreise bei etwa 100 $ pro Barrel lagen. Im Durchschnitt läge der Anstieg der Benzinpreise somit bei 24 Prozent im Vergleich zum Durchschnitt von 2025.
Die Analyse geht davon aus, dass der durchschnittliche Strompreis für Verbraucher in der EU mittelfristig um 12 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2025 steigen wird. Diese Einschätzung stützt sich auf die Erfahrungen aus der Krise von 2022, als die Großhandelsstrompreise sprunghaft anstiegen, die Preise für Endverbraucher:innen jedoch über einen längeren Zeitraum von 2 bis 3 Jahren hinweg schrittweise zunahmen.
[2] Bei der Modellierung eines ambitionierteren Autopakets, ging T&E davon aus, dass die derzeitigen Flottengrenzwerte 2030 und 2035 unverändert bleiben würden. Außerdem wurde angenommen, dass die von der Kommission vorgeschlagenen Ziele für die Elektrifizierung von Firmenwagen in Kraft treten würden, dass jedoch anders als im Vorschlag der Kommission Plug-in-Hybride nicht auf die Zielvorgaben angerechnet würden.
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