Pressemitteilung

Neue T&E-Analyse: EU-Vorschlag zur Aufweichung der 2035er-Ziele schafft Unsicherheit auf dem E-Automarkt

3. Februar 2026

Diesen Monat wird sich der EU-Rat mit dem Vorschlag der EU-Kommission zur Überarbeitung der CO2-Ziele für Pkw beschäftigen. T&E hat den Vorschlag im Vorfeld umfassend analysiert.

Die Ergebnisse:

  1. Die Kehrtwende der EU bei den CO2-Zielen für 2035 sorgt für große Unsicherheit auf dem E-Automarkt.

  2. T&E schätzt, dass der Marktanteil der Neuverkäufe von Elektrofahrzeugen aufgrund des EU-Vorschlags im Jahr 2035 nur noch bei 85 Prozent liegen könnte, wobei jedoch Werte zwischen 50 und 95 Prozent möglich sind.

  3. Die CO2-Emissionen von Kraftfahrzeugen werden voraussichtlich um 10 Prozent höher sein als unter dem aktuellen Ziel.

  4. Unter den vorgeschlagenen Flexibilitäten sind die Credits für alternative Kraftstoffe und das verschobene Ziel für 2030 am schädlichsten.

Der Geschäftsführer von T&E Deutschland Sebastian Bock kommentiert:

„Es ist, als würde man auf mehrere Pferde wetten, wenn nur noch ein Pferd im Rennen ist. Die Welt wird elektrisch, aber unter dem Deckmantel der Technologieoffenheit sollen Investitionen in Technologien umgeleitet werden, die veraltet und damit schlecht für unsere Wirtschaft und das Klima sind. So verlieren wir den Anschluss und langfristig noch mehr Arbeitsplätze in der deutschen Schlüsselindustrie. Die aktuelle Debatte verunsichert Investoren und Verbraucher. Sie verzögert so den schnellen Umstieg der deutschen Hersteller auf E-Autos. Die deutsche Politik darf das Spielfeld nicht den kurzfristigen Interessen der Autoindustrie überlassen.”

T&E empfiehlt für die Überarbeitung der CO₂-Verordnung:

  • Den vorgeschlagenen Mechanismus für Kraftstoff-Gutschriften abzulehnen

  • Die dreijährigen Durchschnittsberechnung (Averaging) der 2030-Ziele zu streichen oder die Zahl der Credits, die „ausgeliehen“ werden können, auf 5 Prozent des Zielwerts zu begrenzen;

  • Credits für CO₂-armen Stahl eng zu definieren und zu beschränken

  • Für Supercredits für Kleinwagen sollte:
    • die Längenbegrenzung von 4,2 m auf 4,1 m reduziert werden; der Multiplikator sollte von 1,3 auf 1,2 gesenkt werden.

    • die Definition eines lokal produzierten E-Autos streng auf E-Autos beschränkt werden, die vollständig in Europa hergestellt werden und über in Europa produzierte Batterien verfügen, kombiniert mit einer steigenden Anzahl von in der EU hergestellten Komponenten.

Die Ergebnisse im Detail:

Große Unsicherheit auf dem E-Automarkt

Der EU-Vorschlag zur Lockerung der CO2-Ziele für Pkw wird laut T&E-Analyse zu einer großen Unsicherheit auf dem Markt für Elektrofahrzeuge führen. Die Senkung des Emissionsreduktionsziels von 100 Prozent auf 90 Prozent im Jahr 2035 dürfte den Marktanteil von E-Autos nach Schätzungen von T&E von 100 Prozent auf 85 Prozent reduzieren. Je nach der von den Automobilherstellern gewählten Antriebsstrategie könnten die E-Autoverkäufe jedoch zwischen 50 Prozent und 95 Prozent liegen. T&E erklärte, der Vorschlag der EU-Kommission würde die Sicherheit untergraben, die Europa benötigt, um massiv in die Elektrifizierung zu investieren um mit China konkurrieren zu können.

Der genaue Anteil von E-Autos im Jahr 2035 wird je nach dem Anteil von Verbrennungsmotoren bei den einzelnen Automobilherstellern variieren. Das Ziel einer CO₂-Reduzierung um 90 Prozent bedeutet, dass die Flottenemissionen der Automobilhersteller im Durchschnitt im Jahr 2035 unter 11 Gramm CO₂ pro Kilometer bleiben müssten. Nach 2035 könnten die Automobilhersteller daher weiterhin jede Art von Antrieb verkaufen. Mit den besten Range Extendern (EREVs) mit einem offiziellen Ausstoß von 22 g/km könnte ihr Anteil bis zu 50 Prozent erreichen.

Zusätzliche CO2-Emissionen

Autos in der EU könnten aufgrund des Kommissionsvorschlags zwischen 2025 und 2050 zusätzlich 720 MtCO2e ausstoßen, das sind 10 Prozent mehr als unter dem aktuellen Ziel. Der größte Anstieg würde sich aus Credits für die Verwendung von kohlenstoffarmem Stahl in der Fahrzeugproduktion ergeben. T&E erklärte, dass diese Credits, wenn sie gut konzipiert sind, jedoch dazu beitragen könnten, die Produktion von grünem Stahl in Europa zu steigern und damit eine europäische Schlüsselindustrie zu unterstützen.

Die schädlichsten Flexibilitäten: Biokraftstoffe und Averaging

Die Vergabe von Credits an Automobilhersteller für sogenannte fortschrittliche Biokraftstoffe und E-Fuels im europäischen Kraftstoffmix würde laut der Analyse zu zusätzlichen Emissionen in Höhe von 168 MtCO2e führen. Der Grund dafür ist, dass die geltend gemachten Emissionsminderungen bereits im Rahmen der nationalen Klimaziele (ESR) und des Emissionshandels (ETS2) berücksichtigt werden. Die Automobilhersteller werden durch deren Verwendung keine zusätzlichen Emissionen einsparen, sondern gering verfügbare fortschrittliche Biokraftstoffe aus anderen, schwerer dekarbonisierbaren Sektoren wie Luft- und Schifffahrt abziehen. Die Flexibilität bei Biokraftstoffen wird auch die Abhängigkeit der EU von nicht nachhaltiger und importierter Biomasse erhöhen, die anfällig für Betrug ist.

Der Vorschlag, das CO2-Ziel für Pkw für 2030 über den Zeitraum 2030-2032 zu mitteln (Averaging), würde laut T&E zu einem Anstieg der Emissionen um weitere 139 MtCO2e gegenüber den aktuellen Zielen führen. Die Automobilhersteller könnten das Ziel für 2030 verfehlen, solange sie dies in den Jahren 2031-2032 kompensieren. Eine separate Flexibilitätsregelung, die bis 2034 gilt, zählt alle verkauften kleinen Elektrofahrzeuge als 1,3 Autos. Das Averaging und die Flexibilitätsregelung für kleine Elektrofahrzeuge würden zusammen den Anteil der Elektrofahrzeuge im Jahr 2030 um 10 Prozentpunkte von 57 Prozent auf 47 Prozent senken, verglichen mit dem aktuellen Ziel.

Mehr Infos finden Sie in der Analyse.

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