Pressemitteilung

Verkauf von elektrischen Nutzfahrzeugen steigt stark an: Deutschland nach Frankreich zweitgrößter Produzent in der EU

8. Juli 2026

Elektrische leichte Nutzfahrzeuge könnten bis 2030 einen Marktanteil von 43 Prozent der Verkäufe in der EU erreichen und bis 2031 sogar 50 Prozent. Forderungen des europäischen Herstellerverbands ACEA würden Hochlauf auf einen Marktanteil von 27 Prozent in 2030 drosseln.

Nach einer neuen T&E-Studie wurden zuletzt deutlich mehr elektrische, leichte Nutzfahrzeuge (LNF) in Europa verkauft. 2025 stiegen die Verkaufszahlen EU-weit um 68 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Im ersten Quartal 2026 wuchsen die Verkäufe in Deutschland gegenüber dem Vorjahreszeitraum sogar um 83 Prozent. Ein Grund dafür sind die verbesserten Gesamtbetriebskosten (Total Cost of Ownership, TCO). Dennoch bezeichnet der europäische Herstellervervband ACEA, die CO2-Flottengrenzwerte der EU als unerreichbar und fordert weitere Lockerungen. Nach T&E-Prognosen dürfte der elektrische LNF-Marktanteil in den kommenden Jahren weiter steigen und bis 2030 auf 43 Prozent sowie bis 2031 auf 50 Prozent anwachsen.

Diese Prognosen stimmen mit dem kürzlich von der Europäischen Kommission vorgeschlagenen Entwicklungspfad überein. T&E warnt daher vor jedem Versuch, diesen Pfad abzuschwächen – genau das fordert jedoch der europäische Herstellerverband ACEA. Würde dieser Forderung nachgegeben, läge der Marktanteil elektrischer LNF im Jahr 2030 lediglich bei 27 Prozent und würde bis 2035 nur 61 Prozent erreichen.

Susanne Goetz, Senior Referentin bei T&E Deutschland, sagt: „Die aktuellen Hitzewellen zeigen, dass wir dringend Verkehrsemissionen senken müssen. Gerade in der Stadt sind E-Lieferwagen dafür unerlässlich. Wenn wir jetzt die Elektrifizierungsziele verwässern, obwohl wir auf dem richtigen Weg sind, dann bremsen wir europäische Investitionen aus – mit gravierenden Folgen. Wir verschleppen den Hochlauf und die europäische Produktion leichter Nutzfahrzeuge zu einem Zeitpunkt, zu dem chinesische Hersteller ein ernsthafter Wettbewerber in dieser Fahrzeugklasse werden.”

Aktuell zählt Europa zu den weltweiten Spitzenreitern in der Vans-Produktion (der größten LNF-Fahrzeugklasse). Hier wurden 2025 1,9 Millionen Vans produziert, v.a. in Frankreich und Deutschland, auf die jeweils 26 Prozent und 12 Prozent der Fahrzeuge entfallen. Laut T&E käme eine Abschwächung der CO2-Flottengrenzwerte einem Geschenk an China gleich. Das Land macht aktuell im Segment der elektrischen Nutzfahrzeuge erhebliche Fortschritte und produzierte 2025 0,8 Millionen Vans. China könnte einen dauerhaften Vorsprung erlangen, falls europäische Hersteller ihre Investitionen verlangsamen. Anzeichen dafür sind, dass 2025 bereits 49 Prozent der von chinesischen Herstellern produzierten LNF auf speziell für Elektrofahrzeuge entwickelten Plattformen basierten. Durch diese HVO konnten sie ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern. Bei europäischen Herstellern lag der Anteil lediglich bei 18 Prozent.

Zudem sollte die EU die Nachfrage nach elektrischen LNF stärken, indem sie die Ambitionen der künftigen Verordnung zur Elektrifizierung von Unternehmensflotten (Clean Corporate Vehicles Regulation) erhöht. Diese sieht vor, jedem Mitgliedstaat ein Elektrifizierungsziel für die Flotten großer Unternehmen vorzugeben, damit die Rahmenbedingungen für die Elektrifizierung in den Mitgliedstaaten verbessert werden. Nach T&E sind die vorgeschlagenen Zielwerte jedoch zu niedrig, um große Unternehmen zu echten Treibern der Elektrifizierung von Lieferwagen zu machen. Ambitioniertere Ziele würden die Entwicklung des Gebrauchtwagenmarktes für elektrische LNF beschleunigen und den Automobilherstellern langfristige Planungssicherheit geben.

Goetz sagt: „Deutschland hätte durch eine Abschwächung der europäischen Ziele viel zu verlieren. Unser Land ist der zweitstärkste europäische Produzent elektrischer leichter Nutzfahrzeuge. Die Bundesregierung sollte diesen Zukunftssektor daher unterstützen und jede weitere Abschwächung der CO2-Ziele ablehnen.“

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