80 Prozent privater Haushalte kaufen ihre Autos gebraucht
Social Leasing
Verkaufszahlen hoch, Kosten runter: Social Leasing soll die Autoindustrie und Menschen mit mittleren und geringen Einkommen unterstützen. Wer auf ein Auto angewiesen ist, sich den Umstieg auf ein E-Auto aber nicht leisten kann, kann über das Programm günstig ein E-Auto leasen. Davon profitieren die Autohersteller, denn Social Leasing kurbelt ein Segment an, das aktuell auf dem Markt fehlt: kleine, erschwingliche E-Autos.
Antriebswende für jeden
In Deutschland gab es lange überwiegend große und teure E-Autos zu kaufen. Zwar kommen inzwischen mehr kleinere und günstigere Modelle auf den Markt, doch für viele Menschen bleiben diese als Neuwagen unbezahlbar. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt gibt es den gleichen Trend.
Bezahlbare E-Autos, planbarer Absatz
Leasing hat viele Vorteile: Wer ein Auto least, muss nicht auf einmal viel Geld auf den Tisch legen. Auch eine Anzahlung wird dank der Social Leasing-Förderprämie nicht fällig.
Gleichzeitig beschleunigt Social Leasing das Angebot an gebrauchten, bezahlbaren E-Autos. Denn: Geleaste Autos, die nicht übernommen werden, landen anschließend auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Sind genug bezahlbare gebrauchte E-Autos verfügbar, kann ein Social Leasing Programm auch wieder auslaufen.
Die Stärke des Effekts auf dem Gebrauchtwagenmarkt hängt von der Zahl der geleasten E-Autos, der Leasingdauer und dem Anteil der Teilnehmenden ab, die das Auto nach Ablauf des Vertrags übernehmen. Angenommen, in einem Jahr werden 100.000 jährliche Verträge, mit einer Leasingdauer von sechs Jahren und einer Übernahmequote von 10 Prozent abgeschlossen: Dann würde der Bestand an gebrauchten E-Autos sechs Jahre später um etwa 6 Prozent steigen.
Auch für die Hersteller lohnt sich Social Leasing, da es eine verlässliche und planbare Nachfrage nach günstigeren Modellen schafft.
150.000 durch Social Leasing geförderte E-Autos in Frankreich
Das Beispiel Frankreich
Frankreich ist das erste Land mit einem erfolgreichen Social Leasing-Programm. Die Nachfrage in der ersten Runde 2024 war so groß, dass die Fördermittel nach 6 Wochen ausgeschöpft waren. Mittlerweile hat Frankreich eine zweite Runde beendet und eine dritte Runde wegen der Ölkrise vorgezogen. Insgesamt bringen die drei Runden 150.000 E-Autos auf die Straße.
Die Auswertung der ersten 25.000 Verträge hat gezeigt, dass 40 Prozent der Teilnehmenden zu den untersten drei Einkommensdezilen gehören. Als sozial gerechte Förderung war das Programm also sehr erfolgreich. Dennoch war die gesamte Förderhöhe 2024 mit bis zu 13.000 Euro pro Auto sehr hoch. Auch die Teilnahmebedingungen waren sehr breit gefasst, was eine einfache Antragstellung, aber geringere Zielgenauigkeit zur Folge hatte. Für die Wiederauflage 2025 wurde daher nachgebessert und die maximale Förderhöhe pro Auto auf 7.000 Euro gesetzt.
Umsetzung in Deutschland
Deutschland kann und sollte von den Erfahrungen Frankreichs lernen. Das französische Modell dient als Referenz, ist jedoch nicht direkt auf Deutschland übertragbar.
Zur Umsetzung von Social Leasing in Deutschland empfiehlt T&E ein geringes Einkommen (unterste 4 Einkommensdezile), schlechte Anbindung an den öffentlichen Nahverkehr und das Abwracken eines alten Verbrenners zur Teilnahmebedingung zu machen.
Außerdem sollten die förderfähigen Fahrzeuge (Segmente A bis B oder C) in der EU produziert werden, um die hiesige Automobilproduktion zu stärken. Das sichert Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette und fördert die Wettbewerbsfähigkeit europäischer Hersteller im unteren Preissegment. Gerade neue Modelle wie der VW ID.Polo, die in Europa produziert werden, könnten so von der Nachfrage profitieren.
Finanzieren ließe sich das Programm durch die Einnahmen aus dem neuen EU-Emissionshandel für Straßenverkehr und Gebäude (ETS2). Bis 2032 könnten in Deutschland laut T&E-Analyse rund 60 Milliarden Euro für Maßnahmen wie die Förderung aktiver Mobilität oder Social Leasing zur Verfügung stehen.
Das 2026 von der Bundesregierung aufgesetzte Förderprogramm für E-Autos kann in Deutschland als finanzielle und organisatorische Basis dienen und durch Social Leasing ergänzt werden.