Unveröffentlichte EU-Analyse übt heftige Kritik am CO2-Deal der Fluggesellschaften

Ein weltweites Abkommen zur Eindämmung der Emissionen im Flugverkehr namens CORSIA könnte Europas Klimabemühungen untergraben. Zu diesem Schluss kommt eine EU-Studie, die Transport & Environment (T&E) vorliegt.[1] Das CORSIA-Abkommen, das Fluggesellschaften die Möglichkeit bietet, Kompensationszahlungen für den wachsenden CO2-Ausstoß zu leisten (im Englischen „Offsetting“), wird „an dem Klimaeffekt des Luftverkehrs nichts wesentlich ändern“, so die Studie. Aus Sicht von T&E, die EU darf sich nicht auf das ineffektive UN-Kompensationssystem verlassen und sollte vielmehr die Emissionen von Flügen mit Start oder Ziel in Europa wieder in das EU-eigene Emissionshandelssystem (EU ETS) integrieren.

Das EU ETS gilt derzeit für sämtliche Flüge innerhalb des europäischen Wirtschaftsraums, jedoch nicht für Flüge, die Destinationen außerhalb der Region anfliegen. Im Juni wird die EU-Kommission, die bisher die Veröffentlichung der Analyse verzögert hat, sich dazu äußern, wie das UN-Abkommen ihrer Ansicht nach künftig auf europäische Flüge angewendet werden sollte.
 
Die EU-Studie kommt zu folgenden Schlüssen:

  • Eine Regulierung des europäischen Luftverkehrs ausschließlich über CORSIA wäre die denkbar schlechteste Option. „Diese Option würde zum größten globalen Nettoanstieg der CO2-Emissionen im Luftverkehr führen...“ (Seite 26)
  • Mit CORSIA würden wir „das Erreichen der Klimaneutralität bis 2050 gefährden“, sollte dieses Instrument an die Stelle der EU-Klimaschutzregulierung treten. (Seite 17)
  • Es ist fraglich, ob CO2-Ausgleichszahlungen überhaupt zur Emissionsminderung beitragen. „Keines“ der anerkannten Ausgleichsprogramme erfüllt alle erforderlichen Kriterien. (Seite 18)
  • Die Fluggesellschaften kommen zu billig weg. Bei CO2-Ausgleichspreisen von weniger als 1 € entstehen keine Anreize für die Fluggesellschaften, ihre CO2-Emissionen zu mindern. [2] Das Überangebot an CO2-Emissionsrechten ist teilweise auf eine Aufweichung der CORSIA-Regeln zurückzuführen, welche die Luftfahrtlobby im letzten Jahr durchgesetzt hat: Das Angebot an Emissionsrechten ist drei Mal so hoch wie die Nachfrage (Seite 20).

Jo Dardenne, Luftfahrtmanager bei T&E, dazu: „Wir haben fast ein ganzes Jahrzehnt darauf verschwendet, einen CO2-Plan für Fluggesellschaften zu entwickeln, der eigentlich klimaschädlich ist. Die Fluggesellschaften werden für weniger als einen Euro CO2-Ausgleichszertifikate kaufen, die nichts bringen. Die Studie sollte von der EU als Aufforderung verstanden werden, die Verantwortung für die Luftverschmutzung durch den europäischen Flugverkehr zu übernehmen.“
 
Die EU sollte die Emissionen von Flügen, die von europäischen Flughäfen aus starten, wieder in das eigene Ausgleichssystem integrieren, nachdem der UN-Ansatz zu einem viel zu schwachen CO2-Plan geführt hat, so die Auffassung von T&E. Bereits 2013 hatte man versucht, den internationalen Luftverkehr den EU-ETS-Bestimmungen zu unterwerfen. Auf Druck der Branche wurden Flüge zwischen EU-Ländern und Ländern außerhalb der Union jedoch davon ausgenommen, angeblich um „Spielraum“ für CORSIA Corsia zu schaffen.
 
Jo Dardenne meinte abschließend: „Europa sollte sich bei der Bekämpfung von CO2-Emissionen im Flugverkehr keinesfalls auf die UN verlassen. Ein Kompensationssystem ist offensichtlich keine wirksame Lösung. Nur ein reformierter europäischer Emissionshandel in Kombination mit einem ambitionierten Gesetz zur Förderung umweltfreundlicher Flugzeugtreibstoffe kann die Fluggesellschaften dazu bringen, ihre CO2-Emissionen zu senken.“
 
Hinweis an die Redakteure:
[1] Von der unveröffentlichten EU-Studie hat T&E durch einen Antrag auf Zugang zu Dokumenten Kenntnis erlangt.
 
[2] Die Studie zeigt, dass die Mehrzahl der Emissionsrechte, die über Corsia gehandelt werden könnten, Preise von unter 1 € erzielen (Seile 144).

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Eoin Bannon
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