Lufthansa, BA und Air France waren vor der Corona-Pandemie die größten Emittenten

Offiziellen Angaben zufolge waren die drei größten Empfänger von Rettungspaketen im europäischen Luftverkehr – Lufthansa, British Airways und Air France – gleichzeitig die drei größten Emittenten unter den europäischen Fluglinien, bevor die Pandemie den Luftverkehr lahmlegte.[1] Es ist das erste Mal überhaupt, dass die Gesamtemissionen der europäischen Fluggesellschaften offengelegt wurden. Transport & Environment (T&E) und Carbon Market Watch (CMW) hatten von den Regierungen Zugang zu den Daten erhalten und veröffentlichen die vorliegende Zusammenstellung nun am ersten Jahrestag der Freigabe von Corona-Rettungspaketen für den Luftverkehr durch die Europäische Kommission.

Zum ersten Mal haben T&E und CMW Zugriff auf Emissionsdaten für den inner- und außereuropäischen Luftverkehr erhalten, durch die eine Berechnung der Gesamtemissionen dieser Fluggesellschaften möglich war. Damit werden die tatsächlichen Klimaschäden sichtbar, die die großen Fluggesellschaften wie die Lufthansa verursachen. Ein Großteil ihrer Emissionen entsteht auf Langstreckenflügen.

Jekaterina Boening, Senior Policy Manager bei T&E, erklärte: „Obwohl internationale Langstreckenflüge die größte Emissionsquelle von Fluggesellschaften darstellen, befinden sie sich in einer Grauzone der Klimaregulierung. Um diese Lücke zu schließen, müssen auch internationale Flüge in das europäische Emissionshandelssystem EU-ETS integriert werden. Darüber hinaus sollte Deutschland die Emissionen aus internationalen Flügen in seine international geltenden Klimaverpflichtungen einbeziehen, um hiermit auch für andere Länder ein Beispiel zu setzen“. 

Die Daten zeigen, dass die Fluggesellschaften für den Großteil ihrer Verschmutzung nicht zur Kasse gebeten werden, da Flüge mit Start oder Ziel in Europa derzeit vom EU-Emissionshandelssystem (ETS) ausgenommen sind. Im Fall von Lufthansa, British Airways und Air France zahlen die Fluggesellschaften für 77 Prozent, 86 Prozent bzw. 83 Prozent ihrer Emissionen keinen Cent. Im Juni wird sich die EU-Kommission dazu äußern, ob der inner- und außereuropäische Flugverkehr in das EU-Emissionshandelssystem aufgenommen werden sollte. Außerdem wird sie einen Vorschlag für ein Gesetz machen, das die Fluggesellschaften verpflichtet, sauberere Kraftstoffe wie synthetisches Kerosin (E-Kerosin) zu verwenden.

2008 versuchte die EU, den Langstreckenflugverkehr in den EU ETS aufzunehmen. Auf Druck der Luftverkehrswirtschaft wurde der inner- und außereuropäische Luftverkehr ausgeschlossen mit der Begründung, mehr „Spielraum“ für das globale CO2-Ausgleichsabkommen der UN-Luftfahrtorganisation ICAO zu schaffen. Laut einer EU-Studie, die letzte Woche veröffentlicht wurde, könnte dieses UN-Kompensationssystem, auch bekannt als CORSIA, Europas Klimabemühungen tatsächlich untergraben. Es ist „unwahrscheinlich“, dass CORSIA den CO2-Abdruck des Luftverkehrs wesentlich verbessert, so die Studie. 

Gilles Dufrasne, Policy Officer bei Carbon Market Watch, sagte: „CORSIA ist einfach eine billige Ausrede für den Luftfahrtsektor, um weiterzumachen wie bisher. Die EU sollte sich das nicht gefallen lassen und dem Druck der Industrie widerstehen, die die Abschaffung des EU-Emissionshandelssystems fordert. Wir müssen den Ausnahmen ein Ende setzen, von denen die Fluggesellschaften derzeit profitieren, einschließlich der kostenlosen Zuteilung von Verschmutzungsrechten. Die bestehenden Richtlinien durch CORSIA zu ersetzen, würde genau den gegenteiligen Effekt haben.“

Da die italienische Regierung trotz wiederholter Aufforderungen keine Daten zur Verfügung gestellt hat, bleiben die Gesamtemissionen von Alitalia unbekannt. 

Anmerkung an die Herausgeber:

[1] Dies ist das erste Mal, dass die internationalen, durch außer- und innereuropäische Flüge entstehenden CO2-Emissionen der großen europäischen Fluggesellschaften zusammengestellt wurden. T&E erhielt von einer Reihe von Regierungen der EWR-Staaten Zugang zu internationalen Emissionsdaten. Italien und Rumänien haben jedoch keine Daten zur Verfügung gestellt. Ryanair bleibt mit seinen innereuropäischen Flügen der größte CO2-Emittent.

Mehr lesen:

Briefing: Ein Jahr nach den Rettungspaketen für den Flugsektor – was wir gelernt haben

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